Die Geschichte des Hundes

Das grundlegende Wissen über die Geschichte und die Herkunft von Hunden hilft Ihnen beim Verständnis und somit der Zusammenarbeit mit Hunden. Zunächst sollten wir uns die Frage stellen, weshalb Hunde überhaupt frisiert, gepflegt werden müssen. Die einfachste Antwort ist: Sie können es nicht länger selbst tun. Eine definiertere Antwort lautet: Wir als ihre Beschützer und Bewahrer stehen in der Pflicht. Vor allem in den letzten Hunderten Jahren haben wir dem Hund durch Züchtung, dem Anpassen des Hundes an unsere Bedürfnisse und Wünsche, viele Fähigkeiten genommen. Darunter die, sich selbst zu pflegen. 

Charles Darwin aged 51.jpg Erstellt: Photo originally from 1859 or 1860 - Wikipedia Com. gemeinfreiScanned fr. Karl Pearson

Die Evolution 

Der Weg vom prähistorischen Wolf, zum heutigen Haustier war ein sehr langer. Streifte der Wolf durch unberührte Landschaft, jagte, lebte in Höhlen und gemeinsam mit der Natur, so sitzt jetzt oftmals ein lockiges, frisiertes Hündchen von nicht mal 3kg neben uns. Unfähig sich selbst zu ernähren, kennt es den rauen Alltag eines freilebenden Wesens nicht mehr. Unter der Kontrolle und Selektion von Menschen, haben wir Hunde geschaffen, die selbst untereinander extreme Variationen aufzeigen. 
Im Laufe der Geschichte gibt es einige Sternenstunden, die wir dem jetzigen Hund zuschreiben können. Da die Geschichte jedoch unvollständig ist und viele Lücken aufweist, können wir Vieles nur schätzen und vermuten. Doch wer genau sind die Vorfahren unserer heutigen Begleiter? Und wann genau begann die gezielte Domestikation? Beide Fragen lassen sich nur schwer beantworten. Denn Belege sind nur schwer zu finden. 

Die Vorfahren des Haushundes 

Wir können nicht genau sagen ob der Vorfahre des Hundes wirklich der Wolf ist. Möglich ist auch eine Abstammung von einem der Verwandten des Wolfes, wie dem Fuchs, Kojoten oder dem Schakal. Theorien diesbezüglich gibt es viele, die des Wolfes als Ahne ist die Populärste. 
Alle Hunde haben eine ähnliche DNA. So ähnlich, dass es vor einigen Jahren lediglich möglich war die Gattung Canine zu bestimmen, nicht aber die Rasse. Mittlerweile kann die DNA sehr genau bestimmt werden, wie ein Fingerabdruck. 
Der Stammbaum der Hunde reicht bis zu 40.000 Jahre zurück. Einige der Sternenstunden dieses Zeitraumes schauen wir uns gleich an. Die Erkenntnisse und Vermutungen dieser Schlüsselmomente basieren auf einem Feld, unter anderem der Archäologie und der Molekularbiologie. Ganze Fossilien und Teilstücke, die zusammengetragen und zusammengesetzt wurden, ergeben ein Bild der prähistorischen Vorfahren unserer Hunde. 
Etwa um die Zeit der Dinosaurier herum, also circa 62 Millionen Jahre zurück, lebte ein Wesen das Miacoidea genannt wird. Hierbei handelte es sich um eine Kreatur die vorwiegend in den Bäumen lebte, sich auf ihren Ballen bewegte, den Hunden ähnliche Zähne besaß und sehr schlank war. Miacoidea ist nach heutiger Ansicht ein Vorfahre unseres Hundes. Sie lebten etwa 32 Millionen Jahre lang und teilten sich währenddessen in zwei Zweige der Carnivoren auf: Viverravidae und Miacidae. Der Zweig der Viveravines entwickelte sich im Laufe der Jahrmillionen zu den Ahnen der Katzen. Die Miacidae dagegen, wurden unter anderem zu Bär, Wolf, Waschbär, Kojote und Wiesel. 
Verfolgt man Spaltung der Gattungen vor etwa 42 Millionen Jahren, die Miacidae führen zum Hesperocyon, dem ältesten Mitglied der Familie der Canidae, datiert um 37 Millionen Jahre zurück. Die Spuren dieses Verwandten finden sich in Amerika. Genauer gesagt in den Staaten Nebraska, Wyoming, South Dakota und Colorado. Auch im Westen von Kanada ist der Hesperocyon nachgewiesen worden. Erstaunlicherweise siedelte der Hesperocyon nicht direkt nach Europa, sondern erst sehr viel später. Hesperocyon waren Zehengänger, was heißt, dass Sie auf ihren Zehen gingen, lange geschmeidige Körper hatten, die auf Schnelligkeit ausgelegt waren. Das zeigt, dass Sie sich von vorwiegend Baumbewohnern zu Bodenbewohnern entwickelt hatten. Bemerkenswert in dieser Entwicklung ist der Lundehund aus Norwegen. Er ist durch zusätzliche Zehen in der Lage auf Bäume und Felswände zu klettern. Vor etwa 23 Millionen Jahren entwickelte sich aus Hesperocyon der Leptocyon, der jüngste Vorfahre der Canidae. Es gibt einige Diskussionen darüber dieses Säugetier. Einige verfechten die Theorie das Leptocyon sich zu Tomarctus entwickelte. Andere sagen Tomarctus ist ein eigener Zweig in der Ahnenreihe. Unabhängig davon führte Tomarctus zu der Gruppe der Canide, die zu den Wölfen und letztlich zu unseren Hunden geführt hat. 
Etwa 1 Million Jahre zuvor entwickelten sich aus der Gruppe der Canide die Wölfe, Füchse, Schakale und Kojoten. Aus einem dieser Vorfahren entstanden die Hunde. 

Darstellung eines Hesperocyon gregarius -  Vorfahr der Hunde
Skelett eines Macrocranion tupaiodon - Vorfahre der Hunde

Die Domestizierung der Hunde 

Es ist sehr schwer den genauen Zeitpunkt der Domestizierung zu belegen und zu bestimmen. Daher gibt es einige Diskussionen um Zeit, Verlauf und Umstände der Domestizierung. 
Der älteste bekannte Skelettfund eines Hundes stammt aus Belgien und hat ein Alter von etwa 30.000 Jahre. Andere Funde in Russland und Deutschland waren nur halb so alt. In Dänemark wurde ein Skelett mit einem Alter von etwa 10.000 Jahren gefunden, dass einem mittelgroßen Spitz vom Körperbau nicht unähnlich ist. Auch im Irak und Indien wurden archäologische Funde ausgegraben, die auf 6.700 und 3.500 v. Chr. datiert wurden. Die Babylonier haben ihre Erfahrungen mit ihren Jagdhunden selbst aufgezeichnet, etwa 3.000 zuvor. Tomarctus mag ein Zweig der Canidae in Nord Amerika gewesen sein, doch die ältesten Funde von Hunden dort datieren sich auf ein Alter von etwa 1.500 Jahre v. Chr. 
Also wann und wo führten die Wege von Hund und Mensch zusammen? Beweise für die Domestizierung gibt es in vielen archäologischen Funden. Die Gründe für diese Entwicklung sind jedoch nicht so einfach zu belegen und sind oftmals Spekulation. 
Der älteste Beweis für die Domestizierung des Hundes ist 30.000 Jahre alt. Weitere Nachweise finden wir in Skeletten mit einem Alter von 7.000 bis 12.000 Jahren, also aus der letzten Eiszeit. In Israel wurde in den 70er Jahren ein 12.000 Jahre altes Grab gefunden, in dem Hund und Mensch zusammen beerdigt waren. 
Mit Bestimmtheit können wir sagen, dass der Hund zur Zeit der Neolithischen Jäger bereits domestiziert war. Ob diese Hunde von den Menschen domestiziert wurde, oder aber sich selbst dem Menschen anschloss, kann wiederum nicht belegt werden. Ausgrabungen von Siedlungen der Jungsteinzeit belegen ein nahes Miteinander von spitzähnlichen Hunden wie dem Husky. 
Hunde sind, wie Canide im Allgemeinen, zweckdienlich veranlagt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie sich selbst in die Nähe des Menschen begaben, um an Essen heranzukommen. Hier kann es zu einem gegenseitigen Vertrauensverhältnis gekommen sein. 
Die frühen Hunde erfreuten sich am einfachen Futter, das sie durch die Menschen bekamen. Die Menschen erkannten den Vorteil in der Wachsamkeit der Tiere und dem damit verbundenen Frühwarnsignal. 
Andere Theorien basieren zum Beispiel auf der Handaufzucht von verwaisten Wolfswelpen. Letztlich werden es die weniger ängstlichen Tiere gewesen sein, die sich einen Wettbewerbsvorteil sicherten und ermutigt durch positive Erfahrung, bei den Menschen blieben. Welche Vorteile der Mensch genau aus diesem Arrangement zog ist nicht überliefert. Man geht jedoch davon aus das es vor allem die Wachsamkeit und das Spenden von Wärme waren, den Menschen anspornten. 
Diese Verbindung, aus Toleranz und Akzeptanz entstanden, war der erste Schritt auf dem Weg der Domestizierung. Hunde und ihre Verwandten haben ein klares Bild von Hierarchie und Dominanz. Die Menschen müssen das früh erkannt und gezielt angewandt haben. Hierarchische soziale Strukturen, das Anwenden von gezielter Belohnung und Bestrafung ist für beide Seiten einfach zu verstehen. In der Geschichte gibt es zahlreiche Belege für gezielt trainierte Hunde, um den Menschen bei Aufgaben zu unterstützen. Dieser Teil des Arrangements ist sicherlich einfach zu verstehen. Der emotionale Teil zwischen Hund und Mensch dagegen, ist wesentlich komplexer. 
Hunde sind uns in vielerlei Hinsicht ähnlich. Sie leben in Gruppen, behalten aber ihre Persönlichkeit, wie wir. Sie arbeiten erfolgreich im Team und finden ihren Platz in der Gruppe, wie wir. Sie erwarten Respekt von ihren Jungen und ernähren sie, wie wir. Sie lernen voneinander, spielen gemeinsam und fragen andere Gruppenmitglieder um Rat, wie wir. Sie suchen Körperkontakt, wie wir. Betrachtet man nur mal diese Punkte, kann man leichter verstehen, weshalb die Vorfahren der Hunde sich uns anschlossen, weshalb die Verbindung erfolgreich war. 
Dazu kommt noch die Anpassungsfähigkeit des Hundes. Durch Training kann er viele verschiedene Aufgaben übernehmen, und das möchte er auch. Hunde wandern mit uns durch Matsch und jagen, klettern über steile Felsen und Berge und suchen Menschen, sie nutzen ihre Talente, um zu arbeiten und sind dabei sehr flexibel. 
In der Natur überlebt nur der Stärkere. Einen Partner finden, sich fortzupflanzen, Junge auszuziehen, das gehört zum Überleben in der Natur dazu. Wer nicht dazu in der Lage ist schafft es nicht sich zu reproduzieren. Die Gene werden nicht weitergegeben und sterben aus. So sorgt die Natur für Selektion. Durch unseren Eingriff in die natürliche Selektion haben wir diesem Teil der Natur einen Strich durch die Rechnung gemacht. 
Die Selektion durch den Menschen hat den Hund bis zu seinem heutigen, sehr vielfältigen, Aussehen und Verhalten geführt. Anfänglich wurde bei Hunden vor allem die Größe beeinflusst. Ein kleiner Hund war nicht in der Lage alles Ungeziefer zu erlegen und damit das Dorf oder auch nur die Hütte (oftmals mit mehreren Generationen belegt) sauber zu halten. Auch konnte sich ein kleiner Hund nur schwer selbst beschützen. Ein zu großer Hund hatte den Nachteil, dass er kaum satt zu kriegen war. Das Fell von Wildhunden dürfte dem seiner Vorfahren noch am ähnlichsten sein. Länge, Dichte und Farbe werden von den klimatischen Bedingungen beeinflusst, ebenso wie vom Umfeld. Es war sicherlich ein wasserabweisendes, zweiteiliges Fell. Im warmen Wetter ging es leicht raus, der Hund rollte und schubberte sich einfach auf Gras oder Kieseln. Auch Dornenbüsche sind ein beliebtes Mittel bei Wildhunden, um überschüssiges Fell loszuwerden. Im Winter wurde dieses Fell wieder dicker und länger, damit er in Schnee und Eis nicht fror. Es wäre hierbei sehr unvorteilhaft gewesen, wenn das Fell bis auf den Boden gewachsen wäre und ihn beim Gehen oder gar Flüchten behindert hätte. 
Wie es bei Terriern und einigen Jagdrassen noch zu sehen ist, konnten sie jagen. Und das mussten Sie auch, selbst wenn sie vom Menschen gefüttert wurden, wird es nicht immer gereicht haben. Bei vielen Hunden ist der Jagdtrieb gar nicht mehr oder nur sehr gering vorhanden. Die meisten jagen dilettantisch und wenn sie, wider Erwarten, doch mal ein Tier erlegen, wissen sie nicht was sie damit anfangen sollen. 

Kessel von Gundestrup - Antike Hund


Es war die Überlebensfähigkeit der Vorfahren, welche sie für den Menschen interessant machte. Der Mensch machte sich diese zu Nutze. Seine Fähigkeit Alarm zu schlagen, zu wärmen und auch sein Willen und seine Talente beim Jagen waren herausragend. Bereits zur Zeit der Neolithen wurden Hunde gezielt gezüchtet. Also annähernd 8.000 Jahre v. Chr. Eine der ältesten bekannten Hunderassen ist der Greyhound. Eine Rasse, die auf Geschwindigkeit ausgelegt ist und sehr gute Augen hat. Aus dieser Rasse entstanden andere die ihren Fokus auf die Sicht und/oder Schnelligkeit hatten, wie etwa der der Borzoi, Pharaoh Hound und der Wolfshund. Dazu wurde der Greyhound auf der ganzen Welt verkauft, gehandelt und mit anderen Rassen gekreuzt.
 
Links: Abbildung des Kessels von Gundestrup ca. 300 v. Chr. bis 200 n. Chr.; rechts im Bild 2 spielende Hunde (Claude Valette, ChaudronDeGundestrup1, CC BY-SA 3.0)

Die vielseitigen Eigenschaften und Talente der Hunde wurden und werden über den ganzen Erdball verteilt geschätzt. In einigen Ländern hat der Hund einen religiösen Status erlangt. Manche glaubten sogar, dass der Hund sie in das Leben nach dem Tod begleitet. Einige Hunde sind sehr hochpreisig und werden gerne verschenkt, andere auf Grund ihrer Eigenschaften eher als Ware gehandelt. 
Die vielen Eigenschaften von Hunden haben ihm verschiedene Aufgaben gebracht. Er arbeitete als Wachhund, beschützte Schafe vor Angreifern, kämpfte für seine Familie gegen Eindringlinge. Er beseitigte den Abfall, arbeitete als Jagdgefährte und sorgte gelegentlich für Unterhaltung. Oft war er derjenige der das Essen auf den Tisch brachte, in manchen Fällen war er selbst das Essen. 
Das Leben ist hart, aber es verändert sich auch. Leben und Gesellschaft haben sich extrem verändert. Die ursprünglichen Aufgaben, für die wir Menschen den Hund brauchten, ihn züchteten, sind weggefallen. Doch nicht nur die Umstände haben sich geändert. Auch der Hund hat eine enorme Wandlung vollzogen. In den letzten paar hundert Jahren begann der Mensch immer häufiger die einst praktischen Hunde nach Optik umzuzüchten. Man machte Hunde kleiner, gab ihnen längeres Fell, kürzere Nasen und viele andere körperliche Merkmale. Auch charakterlich wurden Hunde unseren Bedürfnissen und Wünschen angepasst. Einige Rassen sind besonders für Familien geeignet, andere für Sportler oder ältere Menschen. Und ein paar Rassen wurden besonders angriffslustig gezüchtet, um im perfiden Freizeitspaß des Hundekampfes zu glänzen. 
Doch ist Dir aufgefallen das, obwohl wir den Hund nicht mehr brauchten, wir uns trotzdem dazu entschieden ihn bei uns zu behalten und ihm neue Aufgaben zu geben? Haben wir unbewusst realisiert was für ein großer Verlust es wäre den Hund aus unserer Gesellschaft zu verbannen? Hat es den Hund gekümmert? Anscheinend nicht. Trotz dessen wir den Hund in vielen seiner Varianten eher misshandelten und verunstalteten, ihn in seinen Möglichkeiten einschränkten, blieb er bei uns. Er lernte schnell sich selbst und seine Fähigkeiten zu verändern. Der Hund lernte uns mit Tricks zu unterhalten, tanzt mit uns, läuft durch Tunnel, lernte Sessel, Feuer und bequeme Plätze zu schätzen als hätte er nie etwas anderes gekannt. 
Seine neue Aufgabe ist das Leben an unserer Seite. Jede Minute mit uns zu genießen. 

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